Sonntag, 26. Juli 2009

Europa in der Demokratie-Krise

Europa und das Demokratieverständnis
In einem langen Aufsatz bei TdZ macht sich Wilhelm Neurohr Gedanken über das Demokratieverständnis in Europa. Bereits in seinem Buch "Europa eine Seele geben", dass wir auch bei Themen der Zeit vorgestellt haben, hatte er mehr Demokratie für Europa und eine stärkere Bürgerbeteiligung eingefordert.
Der Aufsatz sei etwas lang, schrieb uns Wilhelm Neurohr begleitend, nachdem wir ihn zu seiner Einschätzung der neulich stattgefundenen Europawahl gebeten hatten. In der Tat, er ist lang. Er beinhaltet allerdings so viele nachdenkenswerte Aspekte, dass wir diese unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.
zum Artikel von Wilhelm Neurohr

Sonntag, 31. Mai 2009

im Dunkeln ist ...

Die Beschäftigung mit dem Thema Kurras und die Stasi kann uns aufmerksam machen auf Vorgänge, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt bleiben, weil sie sich im Dunstkreis von Institutionen abspielen, deren entscheidendes Merkmal die Geheimhaltung ist. Immerhin darf man vielleicht doch fragen, wer denn nun die Fäden zieht in diesen bösen Spielchen, zu denen oft eine gute und staatstragende Miene aufgesetzt wird? War es im Falle Kurras die Stasi, die sich die aufgeheizte Stimmung anlässlich des Schahbesuches zunutze machen wollte, war es die Nervosität eines West-Polizisten mit SED Mitgliedskarte, die eiskalte Umsetzung der "Leberwurst-Taktik" der Berliner Polizeiführung, war es eine Demonstration von Macht, mit der Waffe in der Hand Schicksal spielen zu können? Oder traf da am Ende alles zusammen? Wenige Tage vor der Wahl zum Bundespräsidenten war die Enthüllung über Kurras ein medialer Kracher, denn der "Unrechtsstaat" DDR, war plötzlich wieder einmal in aller Munde.

Enthüllungen wie diese können erinnern an die Vorgänge um das europäische Netzwerk von Nato-Geheimarmeen in Europa, das sich zu Beginn der 50er-Jahre mit Hilfe der CIA und anderer Geheimdienstorganisationen gebildet hatte. Auch in Deutschland gab es eine so genannte "Stay behind Armeee", die nach Aussagen der Bundesregierung im April 1990 aufgelöst wurde. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser beschreibt in seinem Buch "Nato-Geheimarmeen in Europa", wie sich dieses Netzwerk entwickelte, mit welchen Methoden diese Organisation operierte und welchen Anteil rechtsextreme Bewegungen an spektakulären Ereignissen in Italien oder auch in Deutschland hatten. Die eigentliche Aufgabe des Netzwerkes bestand darin, so lässt sich nachlesen, im Falle militärischer Auseinandersetzungen mit Truppen des Ostblocks hinter den feindlichen Linien Sabotage-Aktionen und Guerilla-Operationen durchzuführen. Nur einem kleinen Kreis von Regierungsmitgliedern war die Existenz dieser Geheimarmeen bekannt, in Deutschland oblag die Organisation einer eigenen Abteilung beim Bundesnachrichtendienst. In ganz Europa wurden illegale und geheime Waffendepots angelegt. Die militärische Befehlsgewalt hatten geheime Kommandostellen der Nato im belgischen Mons. Die Mitglieder dieser europäischen Geheimarmeen setzten sich aus militärischen Spezialeinheiten zusammen, aus Geheimdienstmitarbeitern und Rechtsextremisten mit zum Teil kriminellem, in der Bundesrepublik Deutschland auch mit nationalsozialistischem Hintergrund. Es dürfte in der jungen Bundesrepublik nicht schwergefallen sein, Mitglieder für diese Organisation anzuwerben, längst nicht alle hatten in der "Stunde Null" mit den Waffen auch ihre braune Gesinnung abgelegt und die "Bedrohungsszenarien" hatten sich nach dem zweiten Weltkrieg nicht zuletzt auch durch die amerikanische Sicht auf den Kommunismus verändert. Der neue alte Feind aus dem kommunistischen Machtblock blieb schließlich, auch mit Hilfe der Medien, in den Köpfen der meisten Deutschen weiterhin präsent.

Tatsächlich aber, so beschreibt es Ganser anschaulich in seinem 2007 auch auf deutsch erschienenen und stellenweise wie ein Thriller zu lesendem Buch, seien von Mitgliedern dieser Geheimarmeen Terroranschläge ausgeführt worden, die dann linken Organisationen zugeschrieben wurden und natürlich für die entsprechende Aufmerksamkeit sowie darauf folgende Reaktionen sorgten. Nachdem zuerst die italienische Öffentlichkeit von den Vorgängen um diese Geheimarmeen erfahren hatte - hier nannte sich das Netzwerk "Gladio" - wurden auch andere Länder aufmerksam und die Regierungen waren gezwungen, ihre Anteile an diesem Netzwerk - zumindest teilweise - offen zu legen. In der anthroposophischen Monatszeitschrift "Gegenwart" (leider nicht online) erschien eine ausführliche Besprechung des Buches von Daniele Ganser und in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift "die Drei" meldete sich Nothart Rohlfs ebenfalls mit einer Besprechung des Buches zu Wort.

Freitag, 23. Januar 2009

Thema Gaza

der folgende Kommentar ist eine persönliche Meinungsäußerung zu den jüngsten Entwicklungen im "Anthro-Internet" Bereich. Aus unterschiedlichen Gründen haben wir uns bisher nicht zum Gaza-Konflikt geäußert. Nicht, weil wir der Meinung sind, dass Themen der Zeit unpolitisch sein soll oder muss, sondern weil wir zum einen bisher niemanden gefunden haben, der uns etwas dazu schreibt und weil wir uns zum anderen durchaus der Verantwortung bewusst sind, die ein dermaßen sensibles Thema erfordert.

Zensur in der Anthrosphäre?

Es gibt im Internet eine Menge Informationen zu diesem Thema, selbstverständlich bleibt auch die virtuelle Anthro-Sphäre nicht davon verschont. Bei Hermann Finkelsteens Uribiern, einer ziemlich "subversiven" Anthroseite, bei dessen Lektüre man manchmal nicht so recht weiß, ob es noch Spass oder schon blutiger Ernst ist, fand ich diesen bedenkenswerten Beitrag, der mit zu dem Besten gehört, was ich in der letzten Zeit in der Anthro-Blogshäre zum Thema Gaza gelesen habe. Auch auf der Webseite des Bloggers Canaillo, der sich normalerweise ähnlich wie die Herren aus Uribistan in satirischer Weise der Anthroszene widmet, finden sich informative Beiträge zum Geschehen im Gaza-Streifen.
Ich halte es - im Gegensatz zum Info3-Redakteur Felix Hau - allerdings für legitim, persönliche Betroffenheit über das Geschehen im Gazastreifen zu artikulieren, gerade auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass diese Art Auseinandersetzung immer wieder Menschenleben fordert. Inzwischen sind es Medienberichten zufolge mehr als 1300, und mit Sicherheit wird es noch weitere Opfer geben. Die Arroganz und der Zynismus, die aus manchen Kommentaren zu diesem Thema sprechen, sind gleichwohl schwer auszuhalten. Nun kann man sich streiten über die Beiträge, die zum Thema ins Netz gestellt wurden, man mag anderer Auffassung sein, aber dass es so weit geht, dass ein Beitrag vom anthroposophischen Info-Portal Anthromedia wieder entfernt wurde, weil er einem bloggenden Redakteur der auflagenstärksten anthroposophischen Zeitschrift in Deutschland nicht gefallen hat, scheint mir bemerkenswert.
Felix Hau, der im Zusammenhang mit in Deutschland stattgefundenen Demonstrationen gegen die Kriegs-Politik Israels von "psychotischen Zügen" einer "schrägen Sklavenaufstandsromantik" spricht, empört sich auf seinem Blog: "Leider sind auch weite Teile der anthroposophischen Bewegung mit Blindheit geschlagen. Die bislang bemerkenswerteste Irrfahrt habe ich - leider - bei der befreundeten Internetplattform „Anthromedia" gefunden. Der Autor Johannes Anders ist tatsächlich nicht sehr anders als viele andere.(..) Der Rest der Predigt – sie bewegt sich im üblichen Rahmen der reflexhaften Parteinahme für scheinbar Wehrlose.. "
Für die zuständige Anthromedia-Redakteurin offensichtlich Grund genug, den von Hau kritisierten Beitrag zu entfernen, nachdem sie von ihm selbst, so war es zu erfahren, auf seinen Text hingewiesen worden war. Der Dank an die Redakteurin, den Hau im Anschluss daran seinem Beitrag voranstellte, offenbart leider einmal mehr eine selbstgefällige Arroganz, die sich mit dem Credo seines Blattes, nämlich "Anthroposophie im Dialog", für mich irgendwie nicht so recht vereinbaren lässt.
Der Autor Johannes Anders hat uns seinen Artikel zur Verfügung gestellt, wir haben ihn zusammen mit seinem "Offenen Brief" an die "anthroposophischen Freunde bei Themen der Zeit veröffentlicht. "Humanistisch aufgeblähten Antisemitismus", wie Info3 Chefredakteur Jens Heisterkamp ihm vorwirft, vermögen wir im Beitrag von Johannes Anders nicht zu erkennen.

Artikel von J. Anders bei TdZ

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Zander - Die Letzte 2008

In der aktuellsten Rezension des Zander Buches "Anthroposophie in Deutschland" von Patrick Bahners in der FAZ ist am Ende die Rede davon, dass "Angesichts der Bedeutung, die Besprechungen der wichtigsten historischen Fachzeitschrift bei Berufungen gewinnen können", die Rezension eines Basler Anthroposophen (gemeint ist K.A. Swassjan) in der "Historischen Zeitschrift" ein "Skandal" genannt werden müsse.
Die "Historische Zeitschrift" ist nach eigenem Bekunden: ".. eine der großen international verbreiteten wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Seit ihrer Gründung ist sie unabhängig von Subventionen, weltanschaulichen Gruppierungen und Verbänden und gilt als repräsentatives Organ der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft."
Bahners bemerkt empört: "Man mag in der Vergabe ein Zeichen der Liberalität sehen; das Resultat ist eine Denunziation.", schreibt im gleichen Absatz aber auch, dass drei Fakultäten Zanders Habilitationsgesuch zurückgewiesen hätten, wie im Nachwort des Buches zu lesen sei. Ist die wissenschaftliche Leistung des Autors Zander - jedenfalls von diesen drei Fakultäten - als nicht ausreichend befunden worden? Das würde mich jetzt aber noch interessieren. Falls jemand wissen möchte, was Swassjan mit Zanders fehlender "Unbefangenheit und Sachkenntnis" und der "journalistischen Kolportage" gemeint hat, hier lässt es sich nachlesen.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Neuigkeiten

Vom Anthroblog auf anthroposophy.com, dem Portal, auf dem auch der Anthro-Chat zu finden ist, ist in der letzten Zeit verstärkte Aktivität zu vermelden. In besagtem Chat ist es allerdings mehr als ruhig geworden. Wie wäre es mal wieder mit einem Zweigabend am Montag?

Motto: Wenn die Zukunft ihre Schatten vorauswirft, ist es ratsam, seine Schritte etwas zu vergrößern.

Dienstag, 23. Dezember 2008

A guate Weihenacht !

Das Weblog wittenbrauchtdeutschland schreibt:
"Auch wenn das gestrige Verhandlungsergebnis der UW/H und ihren Studierenden wertvolle Zeit verschafft und die kurzfristige Überrumplung der UW/H wenige Tage vor Weihnachten vereitelt, steht die Mammutaufgabe der Erstellung einer Planung zur langfristigen finanziellen Sicherung der UW/H noch bevor. Aus studentischer Sicht bleibt anzumerken, dass im auf uns zukommenden Strategieprozess die Ideale der Universität nicht zur Disposition stehen dürfen."
Die StudentInnen bedanken sich dann noch bei allen Unterstützern, weisen aber gleichzeitig daraufhin, dass "Die Gefahr für das Fortbestehen der UW/H in einer mit ihren Idealen zu vereinbarenden Form" noch lange nicht gebannt ist.
Allen, die dazu beigetragen haben, der Uni-Witten - jedenfalls erst einmal - die weitere Existenz zu ermöglichen, aber auch allen anderen Lesern des Seitenspiegels wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und frei nach dem ADAC "allzeit einen besonnenen Schulterblick".

mm(t)

Samstag, 20. Dezember 2008

UWH - Studenten kämpfen


mm - ohne(t) - Die Wittener Studenten kämpfen um ihre Uni. Nicht nur, dass sie finanziell tief in die eigene Tasche greifen, um das Überleben ihrer Uni zu sichern, sie sind davon überzeugt, dass Deutschland diese Universität braucht und das die Uni jetzt auch Deutschland braucht. In der Tat dürfte es für die Bildungslandschaft in unserem Land ein herber Verlust sein, wenn diese Universität ihre Pforten schließen müsste. Dem Experimentierstatus ist die Universität längst entwachsen, in den Bereichen Medizin und Wirtschaftswissenschaften werden hervorragende Ergebnisse erzielt. Die Motivation der Studenten, etwas zu lernen - und zwar praxisorientiert - ist hoch, etwas Besseres kann eigentlich der deutschen Bildungslandschaft nicht passieren.

Und da sollte es nicht möglich sein, einige Millionen Fördergelder locker zu machen, um eine nachgewiesenermaßen exzellente Hochschularbeit zu stützen und dauerhaft möglich zu machen? Zumal diese Fördergelder bereits in den Haushalt eingestellt waren. Nebenbei: Für 8 Milliarden(!) Euro legt die Landesregierung ein Investitionsprogramm zur Hochschulmodernisierung auf. Bis 2020 sollen die Hochschulen in NRW modernisiert und saniert werden. Der Finanzminister Helmut Linssen dazu: "Das beste Konjunkturpaket sind Investitionen in Bildung und Innovationen." Wie wahr. mehr .. >>